Bewertung neuer 380 kV Drehstrom-Freileitungssysteme hinsichtlich Landschaftsbild und Avifauna

Ein Großteil der erneuerbaren Energien wird in Zukunft fernab der Stromverbrauchszentren gewonnen werden, so dass ein Leistungstransport über große Entfernungen notwendig wird. Der im nächsten Jahrzehnt erforderliche Ausbau des Übertragungsnetzes wird regelmäßig über den Bundesbedarfsplan (Strom) gesetzlich festgeschrieben. Nach einer Vorrangbestimmung des Energiewirtschaftsgesetzes für den Freileitungsbau ist damit zu rechnen, dass der Ausbau des bestehenden Drehstromnetzes überwiegend auf dem Wege von Freileitungen erfolgen wird. Die Akzeptanz gegenüber den landschaftsbildbestimmenden Freileitungen der Höchstspannungsebene ist in Deutschland allerdings gering. Eine Reduzierung der visuellen Auswirkungen auf das Landschaftsbild, z.B. durch niedrigere Masten und eine unscheinbarere Leitungsführung könnte die öffentliche Akzeptanz ganz erheblich verbessern. Dabei sind selbstverständlich auch die Konsequenzen solcher Freileitungen für die Avifauna zu berücksichtigen.

Die OECOS GmbH führte 2015 bis 2017 gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg und der SAG GmbH im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz das F+E-Vorhaben „Bewertung innovativer 380 kV Freileitungsmastsystem bezüglich deren rechtlicher Zuverlässigkeit sowie Landschaftsbildauswertungen in unterschiedlichen Einsatzgebieten durch“ durch. Es war unter den o.g. Aspekten Ziel des Teilvorhabens der OECOS GmbH, die innovativen Hoch- und Höchstspannungssysteme, die von der SAG GmbH unter der Vorgabe niedriger Masten und flacher Leitungsführung entworfen werden, landschaftsbildanalytisch und avifaunistisch zu bewerten. Die Möglichkeiten der innovativen Freileitungskonzepte wurden dabei zunächst von OECOS in unterschiedlichen Naturraumtypen und in verschiedenen Regionen in Deutschland visualisiert. Von der Leuphana Universität Lüneburg wurden in diesem Vorhaben juristische Fragestellungen bearbeitet, wie etwa die Fragen, die durch eine  Nutzung gemeinsamer Trassen zwischen den Verteilungs- und Übertragungsnetzbetreibern aufgeworfen werden können.

Die Ergebnisse des Vorhabens sind zusammenfassend veröffentlicht in  BUTZECK, C., RUNGE, K. (2017): Bewertung der Landschaftsbildauswirkungen innovativer 380-kV-Freileitungsmastsysteme  in unterschiedlichen Landschaftstypen. uvp-report 31(2), S. 127-135 sowie in LUTZ, L., REUTTER, L., BUTZECK, C., RUNGE, K., SCHOMERUS, Th. (2017): Innovative Höchstspannungsfreileitungssysteme - technische, landschaftsbildliche, ökologische und rechtliche Aspekte. Natur und Landschaft, Heft 5 S. 201-207.